Jan Ranft betreibt den Podcast Studio 3 – schwul dabei. Für die neueste Folge hat er mit Knut Wittmann über das SÜT gesprochen. Sorgentelefon hat er die Sendung genannt.
Antigewalt-Bericht 2011
Das Schwule Überfalltelefon Köln 19228 berät Opfer und Zeugen antischwuler Gewalt, bietet konkrete Hilfe für Opfer antischwuler Gewalt auch über Köln hinaus und dokumentiert – zumindest exemplarisch – das Ausmaß von Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* (LSBT).
Der extreme personelle Engpass hat sich etwas geweitet, wir konnten 2011 eine engagierte Mitarbeiterin gewinnen.
Mehr im Antigewalt-Bericht 2011.
Rückblick auf mehr als zwanzig Jahre
Ralf Syben, einer der Gründer des SÜT Köln, erinnert sich:
Meine Mitarbeit beim SÜT-Köln begann schon einige Jahre früher. Im Jahr 1990 war ich Sprecher der SCHWUSOS in Köln und es gabe einige Morde und Gewalttaten an Schwulen in Köln und die Polizei suchte die Täter wie immer im Milieu. Dass dies Hassverbrechen sein könnten, kam der Polizei nicht in den Sinn. Also schrieb ich, als Sprecher der Kölner SCHWUSOS eine Pressemitteilung unter dem Titel „Wie viele Schwule müssen noch sterben?“. Diese Pressemitteilung wurde zwar nie veröffentlicht, veranlasste aber die Kölner Polizei das Gespräch mit den Kölner Lesben und Schwulen zu suchen. Es fand dann im SCH.UL.Z., in der Bismarckstraße 17 eine erste, sehr emotionale Diskussionsrunde mit der Kölner Mordkommission statt. Daraus entwickelte sich mit den Jahren eine Zusammenarbeit mit der Kölner Polizei und dem LKA NRW.
Die Zustimmung in der Kölner Szene war zuerst sehr zurückhaltend, man misstraute der Polizei aus den Erfahrungen früherer Jahre. Gewalttaten gegen Schwule und Lesben wurden nicht ernst genommen und auch nicht gesondert erfasst, wenn sie überhaupt angezeigt wurden.
Besondere Erfolge gab es einige. Da war zu einem die Förderung des Anti-Gewalt-Projektes durch die Landesregierung NRW, die vieles möglich machte. Die gute Zusammenarbeit mit dem Info Center der Kölner Polizei, damals noch unter dem Polizei-präsidenten Jürgen Roters. Die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft schwuler und lesbischer Polizeibeamten/innen. Die Entwicklung des Slogans „Mann ruf an – 19228“ und die Kooperation mit dem LKA-NRW, deren Resultat die Plakat-Kampagne „Liebe Verdient Respekt“ war, sowie die Schaffung des „Info-Mobils des LKA-NRW“.
Das SÜT-Köln und der SVD (heute LSVD) waren der Motor einer bundesweiten Anti-Gewalt-Arbeit, die in der Zusammenarbeit mit mehreren Projekten (Mann-O-Meter in Berlin z.B.) mündeten und auch in der der Opferbetreuung neue Kontakte brachte. Die Einrichtung einiger Überfalltelefone unter der bundesweiten Rufnummer 19228 war auch ein großer Erfolg.
Volker Beck und Günter Dworek lernte ich 1990 kennen, als sie den SVD-NRW als ersten westlichen Landesverband ins Leben riefen. Sie suchten damals Mitstreiter und so wurde ich Landessprecher des SVD-NRW, mit dem Schwerpunktthema „Anti-Gewalt-Projekt“. Dies blieb ich bis Ende 1997, als klar wurde, das ich Deutschland verlassen werde. Gerne erinnere ich mich an die fruchtbare Zusammenarbeit und manche turbulente Vorstands-sitzungen oder die ergebnisreichen Klausurwochenenden. Wir haben es Volker Beck und Günther Dworek und deren unermüdlichen Einsatzes zu verdanken, dass Anti-Gewalt-Arbeit durch die Politik gefördert wurde. In diesem Zusammenhang ist auch Jaques Teyssier nicht zu vergessen, dessen Tod mich sehr getroffen hat.
Auch im Jahre 2012 ist eine Beratungsstelle für Opfer antischwuler Gewalt wichtiger denn je. Gerade in der heutigen Zeit haben Anfeindungen gegen Lesben und Schwule wieder zugenommen. Deutschland ist von der Gleichberechtigung von Lesben und Schwuler noch sehr weit entfernt und die Aufklärungsarbeit muss nicht nur in Schulen und Jugendeinrichtungen getragen werden, sondern auch in die Szene. Wir waren damals in schwulen Saunen, um die Opfer zu Anzeigen zu bewegen, was leider nicht immer von Erfolg gekrönt war.
Nun wünsche ich den Überfalltelefonen für die nächsten 20 Jahre alles Gute.
Ralf Syben
Maspalomas/Gran Canaria Januar 2012
2004: Konzeptvorlage für eine bundesweite Dokumentationsstelle
Der Wunsch nach bundesweiter Dokumentation antischwuler Gewalt zieht sich durch die Geschichte des SÜT Köln. Hier ein Dokument aus dem Jahr 2004: Konzeptvorlage zur Einrichtung einer bundesweiten Dokumentationsstelle antihomosexueller Gewalt
Nach wie vor bleibt es bei einem regional recht unterschiedlich ausgeprägten Flickenteppich an Informationen über das konkrete Ausmaß von Gewalt gegen LGBTI, für Köln etwa die jährlichen Antigewalt-Berichte des SÜT.
1993: “Der Gewalt gegen Minderheiten muss gemeinsam begegnet werden.”
Im März 1993 legen SVD und mehrere Schwule Überfalltelefone der Bundespressekonferenz einen Bericht über Ausmaß und Hintergründe antischwuler Gewalt vor, siehe Chronik des LSVD.
1993: “Weil sie schwul waren. Weil man sie für schwul hielt.”

Traueranzeige für 141 Todesopfer antischwuler Gewalt zwischen 1989 und 1993.
September 1992: Aus Mai wird Oktober
In einer Pressemitteilung vom 18. September 1992 wird das SÜT erneut angekündigt sowie ein Antidiskriminierungsgesetz gefordert:
Ab 1. Oktober wird der Nordrhein-westfälische Schwulenverband (SVD-NRW) mit der Einrichtung eines Überfalltelefons (unter der Rufnummer 0221 – 19228) seine Aktivitäten zur Bekämpfung antischwuler Gewalt verstärken.
(…)
Nach neuesten soziologischen Untersuchungen über Einstellungen zur Homosexualität in der Bevölkerung befürworten über ein Drittel der Befragten repressive staatliche Maßnahme gegen Homosexuelle. 15 % bekennen sich als Schwulenhasser, die ein strafrechtliches Verbot der Homosexualität und sogar die Kastration der Schwulen fordern. Das ist der Nährboden, auf dem die Gewalt wächst.Angesichts allgemein zunehmender Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft müssen Staat und Polititk schwulenfeindliche Einstellungen aktiv bekämpfen. Der Schwulenverband in Deutschland (SVD) fordert die Einführung von Antidiskriminierungsgesetze für Schwule und Lesben im Bund und auf Landesebene, wie diese bereits in einigen europäischen Nachbarländern existieren.
