Out am Arbeitsplatz – oder auch nicht

Immer wieder melden sich Leute beim SÜT, die Probleme am Arbeitsplatz haben, weil sie homosexuell oder transgender sind. Oft wissen die Arbeitgeber*innen nicht, inwieweit sie ihre LGBTI-Beschäftigten vor Gewalt und Diskriminierung schützen müssten. Dazu kommen viele Fälle, die durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) nicht abgedeckt werden.

Nun führt das in Köln ansässige  Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung wieder eine Studie zum Thema durch. Vor rund 10 Jahren fand die erste Erhebung von „Out im Office?!“ statt. Damals ging es nur um die Situation lesbischer und schwuler Beschäftigter. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse von 2007: Out-im-Office_Erg.-Zus.-Fass._DF.pdf

Nun gibt es eine Neuauflage, und diesmal geht es auch um Bisexuelle und Transgender. Hier der Link zur Befragung:

http://ww2.unipark.de/uc/out-im-office/2017/

Gerne teilen! Je mehr Leute mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse!

Auf Abruf

Derzeit tut sich nicht viel beim SÜT. Ich habe mit meinen Kolleg*innen vom Ortsvorstand Köln darüber gesprochen und wir haben uns überlegt, keine feste Präsenzzeit mehr anzubieten. Wenn ihr mit dem SÜT sprechen wollt, schreibt am besten erst eine Mail (an beratung @ koeln19228.de), gerne schon mit einem Terminvorschlag. Ihr könnt auch das Formular auf der Seite Kontakt benutzen.

Oder ihr ruft an (0221 19228) und sprecht auf den Anrufbeantworter. Ich melde mich schnellstmöglich zurück.

Übrigens könnt ihr euch beim LSVD auch zu vielen anderen Themen beraten lassen, z.B. Transsexuellengesetz und Arbeitsrecht. Schickt einfach eine Mail an koeln @ lsvd.de. Da wir ehrenamtlich arbeiten, kann es einige Tage dauern, bis sich jemand meldet, aber wir nehmen uns auf jeden Fall Zeit für euch.

Besser wohnen

Besser Wohnen: Wohnen ohne homophobe Attacken von Vermieter*innen oder Nachbar*innen – ein nicht erfüllter Wunsch unter anderem einiger unserer Anrufer / Mailschreiber im letzten Jahr (siehe Blogbeitrag Der Jahresbericht…).

Leider ist das Wohnumfeld in vielen Fällen keine Schutzzone für Menschen, die nicht der Heteronorm entsprechen. Das ist mitunter so für in Deutschland Geborene, in noch viel stärkerem Maß sind jedoch Flüchtlinge  betroffen. In den Medien ist in letzter Zeit viel darüber berichtet worden, dass geflüchtete Schwule und Transfrauen oft unter Gewalt innerhalb der Einrichtungen oder ungenügender Unterstützung durch Dolmetscher*innen zu leiden haben bzw. diesen Gefahren nur durch Verstellung entgehen können.

Vielerorts haben sich Initiativen gegründet, die speziell LGBTIQ-Flüchtlinge unterstützen, so auch in Köln. Die Gruppe nennt sich Rainbow Refugees Cologne und ist über die Internet-Seite https://rainbow-refugees.cologne/ erreichbar.

Wer etwas zu bieten hat, z.B. Wohnraum, kann sich über das Formular melden. Auch wenn man kein Zimmer für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen kann, gibt es vielleicht die Möglichkeit, jemandem ein Zimmer für die eine oder andere Nacht zu bieten. Zum Treffpunkt baraka kommen Refugees teils von weither, die freuen sich, wenn sie nachts nicht wieder umständlich zurückreisen oder lange am Bahnhof warten müssen.

Die Initiative setzt sich für die dezentrale getrennte Unterbringung von LGBTIQ-Flüchtlingen ein und hat Unterstützer*innen in der Kölner Politik. Mit einer anderen Idee, nämlich der gemeinsamen Unterbringung unterschiedlicher besonders schutzbedürftiger Gruppen, hat sich nun der Ex-AfDler Torsten Ilg zu Wort gemeldet. So wie wir vom SÜT uns Ende letzten Jahres geärgert hatten, dass er uns mit seinen fremdenfeindlichen Thesen in Verbindung bringen wollte, verwahrt sich nun Rainbow Refugees Cologne dagegen, von ihm instrumentalisiert zu werden. Auf einen Artikel im Stadtanzeiger gab es prompt eine Stellungnahme, ähnlich distanzierend betitelt wie unser Blogbeitrag.

Ein ganz besonderes Thema ist die Unsichtbarkeit lesbischer Frauen unter den Refugees. Einige wenige finden den Weg in Beratungsstellen. Die meisten anderen versuchen vermutlich einfach zu überleben, zumindest so lange, bis sie sich hier sicher fühlen können. Die Initiative ist an diesem Thema dran. Wer Hinweise hat oder Betroffene kennt, kann sich gerne an die Initiative wenden, info@rainbow-refugees.cologne.

Karneval :)

Feiert schön (oder lasst es bleiben) und passt auf euch auf!
Die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr/Rettung) sollte man immer im Kopf haben.
Zusätzlich kann man sich die App sicher-feiern.nrw.de herunterladen, da gehts dann sogar mit einem Klick.
Diese App enthält außerdem Informationen speziell für Frauen und LGBTIQ. Die SÜTs Köln und Düsseldorf sind nicht aufgeführt, aber die Nummer (0221) 19228 kennt ihr ja.

Auch die Informationsseite der Stadt Köln sicher-feiern-im-strassenkarneval ist empfehlenswert.
Die dort herunterladbare Notrufkarte Deutsch-Englisch (PDF) enthält einige grundlegende Tipps:

Sicherheit im Karneval
Polizei Köln und Stadt Köln raten:

  • Seien Sie wachsam!
  • Taschendiebe, Trickdiebe und sexuell motivierte Täter nutzen Ihre Feierlaune.
  • Vorsicht bei Körperkontakt!
  • Trauen Sie Ihren eigenen Gefühlen, schon wenn Sie eine Gefahrensituation wahrnehmen.
  • Im Notfall 110 anrufen
  • Bei sexuellen Übergriffen:
    Weglaufen – Schreien – Abwehren
  • Zeigen Sie jede Straftat bei der Polizei an!

http://www.koeln.polizei.nrw.de

Security during Carnival

Police and Municipality of Cologne advise:

  • Be alert!
  • Pickpockets, hugger-muggers and sexual offenders take advantage of your party mood.
  • Beware of physical contact!
  • Trust in your gut as soon as you realize a dangerous situation.
  • Emergency call 110
  • In case of sexual assault:
    Break away – Scream – Repel
  • File a criminal complaint at the police.

http://www.koeln.polizei.nrw.de

http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf32/sicherheitshinweise_polizei_stadt_karte_de-en.pdf

Am Rosenmontag ist das SÜT nicht besetzt. Wie immer könnt ihr uns gerne Mails schicken.

Hilfe für LGBTIQ-Flüchtlinge in Köln und anderswo

Wer sich für die neu gegründete Initiative interessiert, die LGBTIQ-Flüchtlingen in Köln und Umgebung das Leben leichter machen will, kann sich hier informieren:

Facebook-Seite https://www.facebook.com/LGBTIQ-Refugees-Cologne-1654888444787574

Wiki https://www.lgbtiq-refugees.de/

Das nächste Treffen ist am Donnerstag, den 18. Februar, um 19 Uhr im Offenen Treff der Alten Feuerwache (Melchiorstr. 3, Nähe Ebertplatz).

Der LSVD veröffentlicht auf www.queer-refugees.de in mehreren Sprachen Informationen, Adressen, Hilfestellungen für geflüchtete Lesben, Schwule, Bi, Trans*. Sehr nützlich auch für Haupt- und Ehrenamtliche, die nicht so drin sind im Thema. Also gerne weitergeben an alle, die mit Flüchtlingen zu tun haben!

Wenige Frauen

Auch 2015 meldeten sich nur wenige Frauen beim SÜT Köln. Mit einer von ihnen gab es jedoch relativ viele Gespräche, siehe Der Jahresbericht… (Fortsetzung).

SÜT bedeutet ausgeschrieben Schwules Überfalltelefon Köln. Dieser noch aus der Ursprungszeit stammende Name scheint Frauen auszuschließen. Ich glaube, es gibt noch einen weiteren Grund: Frauen haben seit den 1970er Jahren vielfältige Unterstützungsangebote für Frauen geschaffen, z.B. die traditionell ehrenamtlich betriebenen Notruf-Telefone. Es existieren sogar spezielle Angebote für Lesben, z.B. die Lesbenberatung innerhalb der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. Frauen, die Beratung suchen, haben also gewissermaßen mehr Auswahl. Da ist es vielleicht gar nicht erstaunlich, dass sie nur 10 bis 20 % der beim SÜT Hilfe Suchenden bilden.

Seit einigen Jahren gibt es ein bundesweites Hilfetelefon für Frauen. Es ist rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres erreichbar. Den Mitarbeiterinnnen steht eine umfangreiche Datenbank mit weiteren Unterstützungsangeboten sowie ein umfassender Dolmetsch-Service zur Verfügung. Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind bzw. Hilfe brauchen, können dort übrigens auch anrufen. Die kostenlose Telefonnummer ist 08000 116 016.

Falls es nicht klar geworden sein sollte: Frauen sind willkommen beim SÜT und werden kompetent beraten. Derzeit sitzt sowieso meist eine Frau am Telefon (Barbara).  

Wie schützt man sich gegen Gewalt im öffentlichen Raum?

Henriette Reker, die Oberbürgermeisterin von Köln, wurde auf der Pressekonferenz nach den Silvester-Vorkommnissen am Kölner Hauptbahnhof von einer Journalistin gefragt, was Frauen denn tun könnten, um sich in vergleichbaren Situationen zu schützen. Sie zitierte ein paar Tipps, die auf den Seiten der Stadt Köln zur Verfügung gestellt werden sollen, und anschließend vom Noch-Polizeipräsidenten Albers bestätigt und ergänzt wurden.

Im Karneval eine Armlänge Abstand halten – das könnte schwierig werden und ist meist ja auch gar nicht Zweck der Veranstaltung. Auch in der Situation am Hauptbahnhof war dieser Tipp wortwörtlich genommen wohl nicht umsetzbar.

Ohne „Längenangabe“ ist er mir jedoch durchaus aus Empfehlungen von Polizei und Präventionsprojekten bekannt. Ebenso die Empfehlung, in Gruppen zusammen zu bleiben und aufeinander zu achten.

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken zu wissen, wie man in einer großen Menschenmenge, in der fortlaufend Straftaten begangen werden, sich und andere am besten schützt. Da gibt es wohl auch keine allgemeingültigen konkreten Verhaltensempfehlungen. Es kommt in einer solchen wie auch in anderen gefährlichen Situationen sehr auf die Intuition an: Was nehme ich wahr, was spüre ich (z.B. Fluchtimpuls ernst nehmen), wo ist Hilfe, wer kann mir zur Seite stehen, wie komme ich hier raus etc.

Einige allgemeine Ratschläge sind jedoch durchaus angebracht. Sie sind als Vorschläge, nicht „Verhaltensregeln“ zu verstehen. Letztendlich kommt es sowieso immer auf die jeweilige Situation an. Hier beispielhaft eine Handreichung der Berliner Polizei:

Zusammengefasst:

  • Vertrauen Sie Ihrem Gefühl
  • Weichen Sie der Gefahr frühzeitig aus
  • Tun Sie etwas Unerwartetes
  • Setzen Sie Grenzen
  • Wecken Sie Aufmerksamkeit
  • Entziehen Sie sich der Situation und dem Täter
  • Helfen Sie, ohne sich selbst oder andere zu gefährden.
  • Greifen Sie den Täter nicht körperlich oder verbal an.
  • Halten Sie Abstand.

Der Jahresbericht… (Fortsetzung)

Bei nur zwanzig gemeldeten Fällen in einem Jahr kann natürlich die Frage aufkommen: Was machen die eigentlich in all der Zeit, in der sich niemand meldet?

Erst mal muss man sagen, dass wir in der Woche zwar mehrmals die Mails abfragen, aber nur zwei Stunden am Telefon sitzen. So viel Zeit ist es also nicht. Seit Falk im Mai vorläufig aufgehört hat, ist in der Regel nur noch eine Person da, meistens ich, manchmal Stephan.

2014 entwickelte sich ein guter Kontakt zu einer Transfrau in der rheinlandpfälzischen Provinz. Für sie ist es eine Erleichterung, hin und wieder aus ihrem oft schwierigen Alltag zu berichten, und wir freuen uns zu hören, wie es ihr trotz allem immer ein bisschen besser geht. Immer wieder kommt sie auch auf unangenehme Begegnungen zu sprechen, aber ich zähle diese Meldungen nicht einzeln mit.

Die Antigewalt-Arbeit für LGBTIQ genießt in NRW einen hohen Stellenwert, für ihre Koordination gibt es eine bezahlte Stelle. Verschiedene Projekte sind durch das Antigewalt-Netzwerk miteinander verbunden, neben den SÜTs in Köln und Düsseldorf z.B. mehrere AIDS-Hilfen und Beratungseinrichtungen. In diesem Rahmen besuche ich immer wieder interessante Veranstaltungen: fachlicher Austausch, Fortbildungen, Netzwerktreffen. Im November 2015 saß ich außerdem in Münster auf einem Podium der Gaycom zum Thema Zusammenarbeit mit der Polizei.

Auch für Recherche und Schreiben dieses Blogs geht Zeit drauf. Wir bemühen uns, ein bis zwei Beiträge im Monat zu posten. Meistens klappt es. Dass Falk nicht mehr mitschreibt, finde ich sehr schade. Ich könnte mir gut vorstellen, Gastbeiträge aufzunehmen, und freue mich über Vorschläge, sowohl was Autor*innen als auch Themen betrifft.

Ein weiterer Punkt ist Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Jahr habe ich ein Radio-Interview gegeben und war, wie jedes Jahr, während des Cologne Pride an zwei Tagen am LSVD-Stand.

All das und noch viel mehr können die SÜT-Mitarbeitenden jedoch auch tun, wenn sie mehr Meldungen zu Gewalt und diskriminierendem Verhalten gegen Lesben, Schwule, Trans*, Inter*, queeren Leuten erhalten und mehr Beratungsgespräche führen. Ich nehme mir die Zeit einfach und freue mich über Leute, die mich in Zukunft dabei unterstützen.