Überfall am Hiroshima-Nagasaki-Park

Vor kurzem erhielt ich eine Mail von einem Mann, der Opfer eines brutalen Überfalls geworden ist. Er hat den Fall bei der Polizei angezeigt und wollte von uns wissen, ob wir von ähnlichen Vorkommnissen in der Gegend um den Aachener Weiher gehört hätten. Haben wir zwar nicht, dennoch wissen wir, dass solche Dinge immer wieder passieren. Meistens geht es allerdings nicht so brutal zu, oft sind die Täter Jugendliche, während hier offensichtlich Erwachsene sich planvoll zusammengetan hatten, um jemanden, den sie für schwul hielten, zusammenzuschlagen.

Meldet euch, wenn ihr von ähnlichen Vorfällen hört oder betroffen seid! Und vor allem: Geht zur Polizei!

Hier der Bericht:

Am Sonntag, den 28. April, drehte ich gegen 22 Uhr eine Laufrunde in der Gegend um den Aachener Weiher. Dabei lief ich auch den Wanderweg Richtung Universitätsstraße hinauf. Fast oben angekommen, wurde ich von einem etwa 1,70 m großen Mann angehalten. Er fragte, ob ich schwul sei. Ich antwortete: „Das geht dich nichts an“ und wollte weiterlaufen. Da sah ich aus dem Augenwinkel ein paar dunkle Gestalten zwischen den Bäumen hervortreten und verspürte sofort einen kräftigen Schlag am Hinterkopf. Ich drehte mich in Richtung des Schlages um. Da traf mich schon der nächste Schlag, diesmal mitten ins Gesicht. Vermutlich wurde ein Ast oder Stock benutzt. Weitere Schläge auf Beine und Rücken nahm ich nur noch verschwommen wahr. Als ich mich aufrichtete um zu flüchten, stießen die Männer mich vom Weg ab ins Gebüsch und stellten sich direkt vor mich. Ich rief laut um Hilfe. Die Täter lachten, ließen mich dann zu meiner Überraschung jedoch gehen, vielleicht wegen meines blutüberströmten Gesichtes.

Meines Erachtens war die Tat gut geplant und vorbereitet. Nur der „Lockvogel“ war gut zu erkennen. Im Gegensatz zu den anderen trug er helle Kleidung. Die Schläger achteten zudem darauf, stets außerhalb meines Sichtfeldes zu agieren.

Und hier eine etwas genauere Beschreibung des „Lockvogels“ – vielleicht hilft es ja was:

Er war etwa 1,70 m groß. Dunkle bzw. leicht braune Haut, dunkle Haare, schwarzer Vollbart, nicht sehr lang und nicht besonders dicht.
Sportliche Figur, nicht dick, kräftig, aber kein Bodybuilder.
Das Alter schätze ich auf etwa 20 bis 25 Jahre.
Er trug ein weißes Sweatshirt und helle, weite Jeans.
Er war der Einzige, der sprach. Er sprach mich an mit der Frage, ob ich schwul sei, in gutem Deutsch.

Mehr Gewalt gegen Lesben und Schwule?

Im ersten Halbjahr dieses Jahres zählte das Innenministerium 28 Straftaten gegen LGBT mehr als im ersten Halbjahr des Vorjahres (102 versus 130). Das ist ein bedeutsamer Anstieg. Teilweise hängt er wohl damit zusammen, dass die Anzeigebereitschaft gestiegen ist. Aber es muss noch weitere Gründe geben. Hier ein Artikel auf Spiegel Online zum Thema:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schwule-und-lesben-behoerden-registrieren-mehr-homophobe-straftaten-a-1161925.html

Von der „ganz normalen“ Homophobie ließ das Magazin VICE sich auf seiner Facebook-Seite erzählen – lauter Fälle, die gar nicht in die Statistik eingegangen sind, aber das Lebensgefühl der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Wenn euch so etwas passiert, holt euch Unterstützung. Erstattet gegebenenfalls Meldung oder Anzeige bei der Polizei. Sprecht auch mit anderen über eure Erlebnisse. Und wendet euch ans SÜT Köln.

Out am Arbeitsplatz – oder auch nicht

Immer wieder melden sich Leute beim SÜT, die Probleme am Arbeitsplatz haben, weil sie homosexuell oder transgender sind. Oft wissen die Arbeitgeber*innen nicht, inwieweit sie ihre LGBTI-Beschäftigten vor Gewalt und Diskriminierung schützen müssten. Dazu kommen viele Fälle, die durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (auch Antidiskriminierungsgesetz genannt) nicht abgedeckt werden.

Nun führt das in Köln ansässige  Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung wieder eine Studie zum Thema durch. Vor rund 10 Jahren fand die erste Erhebung von „Out im Office?!“ statt. Die Befragung richtete sich damals an lesbische und schwule Beschäftigte. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse von 2007: Out-im-Office_Erg.-Zus.-Fass._DF.pdf

Nun gibt es also eine Neuauflage, und diesmal geht es auch um Bisexuelle und Transgender. Hier der Link zur Befragung:

http://ww2.unipark.de/uc/out-im-office/2017/

Gerne teilen! Je mehr Leute mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse!

Eure Telefonnummer

Vom SÜT-Telefon aus kann man nicht zurückverfolgen, wer bei uns angerufen hat. Wenn ihr uns auf den Anrufbeantworter sprecht und gerne zurückgerufen werden möchtet, denkt also bitte daran, eure Telefonnummer zu nennen.

Auf Abruf

Derzeit tut sich nicht viel beim SÜT. Ich habe mit meinen Kolleg*innen vom Ortsvorstand Köln darüber gesprochen und wir haben uns überlegt, keine feste Präsenzzeit mehr anzubieten. Wenn ihr mit dem SÜT sprechen wollt, schreibt am besten erst eine Mail (an beratung @ koeln19228.de), gerne schon mit einem Terminvorschlag. Ihr könnt auch das Formular auf der Seite Kontakt benutzen.

Oder ihr ruft an (0221 19228) und sprecht auf den Anrufbeantworter. Ich melde mich schnellstmöglich zurück.

Übrigens könnt ihr euch beim LSVD auch zu vielen anderen Themen beraten lassen, z.B. Transsexuellengesetz und Arbeitsrecht. Schickt einfach eine Mail an koeln @ lsvd.de. Da wir ehrenamtlich arbeiten, kann es einige Tage dauern, bis sich jemand meldet, aber wir nehmen uns auf jeden Fall Zeit für euch.

Besser wohnen

Besser Wohnen: Wohnen ohne homophobe Attacken von Vermieter*innen oder Nachbar*innen – ein nicht erfüllter Wunsch unter anderem einiger unserer Anrufer / Mailschreiber im letzten Jahr (siehe Blogbeitrag Der Jahresbericht…).

Leider ist das Wohnumfeld in vielen Fällen keine Schutzzone für Menschen, die nicht der Heteronorm entsprechen. Das ist mitunter so für in Deutschland Geborene, in noch viel stärkerem Maß sind jedoch Flüchtlinge  betroffen. In den Medien ist in letzter Zeit viel darüber berichtet worden, dass geflüchtete Schwule und Transfrauen oft unter Gewalt innerhalb der Einrichtungen oder ungenügender Unterstützung durch Dolmetscher*innen zu leiden haben bzw. diesen Gefahren nur durch Verstellung entgehen können.

Vielerorts haben sich Initiativen gegründet, die speziell LGBTIQ-Flüchtlinge unterstützen, so auch in Köln. Die Gruppe nennt sich Rainbow Refugees Cologne und ist über die Internet-Seite https://rainbow-refugees.cologne/ erreichbar.

Wer etwas zu bieten hat, z.B. Wohnraum, kann sich über das Formular melden. Auch wenn man kein Zimmer für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen kann, gibt es vielleicht die Möglichkeit, jemandem ein Zimmer für die eine oder andere Nacht zu bieten. Zum Treffpunkt baraka kommen Refugees teils von weither, die freuen sich, wenn sie nachts nicht wieder umständlich zurückreisen oder lange am Bahnhof warten müssen.

Die Initiative setzt sich für die dezentrale getrennte Unterbringung von LGBTIQ-Flüchtlingen ein und hat Unterstützer*innen in der Kölner Politik. Mit einer anderen Idee, nämlich der gemeinsamen Unterbringung unterschiedlicher besonders schutzbedürftiger Gruppen, hat sich nun der Ex-AfDler Torsten Ilg zu Wort gemeldet. So wie wir vom SÜT uns Ende letzten Jahres geärgert hatten, dass er uns mit seinen fremdenfeindlichen Thesen in Verbindung bringen wollte, verwahrt sich nun Rainbow Refugees Cologne dagegen, von ihm instrumentalisiert zu werden. Auf einen Artikel im Stadtanzeiger gab es prompt eine Stellungnahme, ähnlich distanzierend betitelt wie unser Blogbeitrag.

Ein ganz besonderes Thema ist die Unsichtbarkeit lesbischer Frauen unter den Refugees. Einige wenige finden den Weg in Beratungsstellen. Die meisten anderen versuchen vermutlich einfach zu überleben, zumindest so lange, bis sie sich hier sicher fühlen können. Die Initiative ist an diesem Thema dran. Wer Hinweise hat oder Betroffene kennt, kann sich gerne an die Initiative wenden, info@rainbow-refugees.cologne.

Karneval :)

Feiert schön (oder lasst es bleiben) und passt auf euch auf!
Die Notrufnummern 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr/Rettung) sollte man immer im Kopf haben.
Zusätzlich kann man sich die App sicher-feiern.nrw.de herunterladen, da gehts dann sogar mit einem Klick.
Diese App enthält außerdem Informationen speziell für Frauen und LGBTIQ. Die SÜTs Köln und Düsseldorf sind nicht aufgeführt, aber die Nummer (0221) 19228 kennt ihr ja.

Auch die Informationsseite der Stadt Köln sicher-feiern-im-strassenkarneval ist empfehlenswert.
Die dort herunterladbare Notrufkarte Deutsch-Englisch (PDF) enthält einige grundlegende Tipps:

Sicherheit im Karneval
Polizei Köln und Stadt Köln raten:

  • Seien Sie wachsam!
  • Taschendiebe, Trickdiebe und sexuell motivierte Täter nutzen Ihre Feierlaune.
  • Vorsicht bei Körperkontakt!
  • Trauen Sie Ihren eigenen Gefühlen, schon wenn Sie eine Gefahrensituation wahrnehmen.
  • Im Notfall 110 anrufen
  • Bei sexuellen Übergriffen:
    Weglaufen – Schreien – Abwehren
  • Zeigen Sie jede Straftat bei der Polizei an!

http://www.koeln.polizei.nrw.de

Security during Carnival

Police and Municipality of Cologne advise:

  • Be alert!
  • Pickpockets, hugger-muggers and sexual offenders take advantage of your party mood.
  • Beware of physical contact!
  • Trust in your gut as soon as you realize a dangerous situation.
  • Emergency call 110
  • In case of sexual assault:
    Break away – Scream – Repel
  • File a criminal complaint at the police.

http://www.koeln.polizei.nrw.de

http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf32/sicherheitshinweise_polizei_stadt_karte_de-en.pdf

Am Rosenmontag ist das SÜT nicht besetzt. Wie immer könnt ihr uns gerne Mails schicken.

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