Holla back?

Letzten Montag fand im Rubicon eine spannende Veranstaltung statt. Es ging um Hollaback, eine Bewegung aus den USA, die gerade dabei ist, sich weltweit auszubreiten. „Holla back“ bedeutet „brüll zurück“. Das ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern eher als grundsätzliche Erlaubnis und Aufforderung, Angriffen im öffentlichen Raum selbstbewusst entgegenzutreten. Eigentlich ist das ja nichts Neues, die Schwulen Überfalltelefone und viele Projekte der Frauenbewegung gründen sich seit Jahrzehnten auf diesen Ansatz. Aber im Internet-Zeitalter eröffnen sich natürlich ganz neue Möglichkeiten wie z.B. die Verwendung von Google Maps.

Das Schwule Überfalltelefon Köln war Mitveranstalter. Auf dem Podium saßen Charlotte Sachse von Hollaback Düsseldorf, die Rechtsanwältin Deborah Reinert vom LSVD, Oliver Schubert (Aidshilfe und Schwules Netzwerk NRW), Şefika Gümüş (Rubicon), und als Moderatorin Almut Dietrich, die Koordinatorin der LGBTI-Anti-Gewalt-Arbeit in NRW.

Die Hollaback-Bewegung wird zentral von New York aus gesteuert, wo die einzige Hauptamtliche arbeitet; die Regionalgruppen (in ca. 50 Städten in 17 Ländern) sind durchweg ehrenamtlich organisiert. Die Düsseldorfer Gruppe ist aus Zeitgründen bislang noch nicht sehr aktiv gewesen, daher ist auf ihrer Seite auch noch nicht so viel zu lesen. Das soll sich aber bald ändern. Bis dahin kann man auf den Seiten für Berlin und Dresden ganz gut sehen, wie das im deutschsprachigen Raum funktioniert.

Die Befürchtung, dass Menschen an den virtuellen Pranger gestellt werden, bewahrheitet sich nicht, die Geschichten sind anonymisiert, Fotos fehlen. Deborah Reinert machte übrigens darauf aufmerksam, dass es nicht rundweg verboten ist, Fotos von Angreifern ins Netz zu stellen: das Recht am eigenen Bild gilt im öffentlichen Raum nur eingeschränkt.

Dass es bei dem Posten und Kommentieren von Geschichten nicht bleiben kann, darin waren sich Podium und Publikum einig. Einen Ansatz zum Handeln in der realen Welt bieten vielleicht die Google-Karten, auf denen sich Häufungen von sexueller Belästigung darstellen lassen. Das kann dazu führen, dass diese Gegenden gemieden werden oder auch, dass man durch öffentliche Aktionen auf die Gefährdungen dort aufmerksam macht. Die Green Dots (mehr dazu auf den Hollaback-Seiten) könnten zu grünen Buttons werden, durch deren Tragen man anzeigt, dass man ansprechbar ist bzw. eingreift, wenn man Zeug*in von Belästigungen wird. Dazu müsste allerdings allgemein bekannt sein, was diese Buttons bedeuten, und sie müssten auch von vielen Menschen getragen werden. Auf jeden Fall war deutlich, dass Hollaback ein vielversprechender Anfang sein kann. Gerade der jüngere Teil des Publikums war sehr angetan.

Ein spezielles Thema ist der Umgang mit rassistischen Zuschreibungen in den Geschichten. Sie werden von den Aktivist*innen vor der Veröffentlichung geglättet, weil ein wichtiger Grundsatz das Eintreten gegen sämtliche Formen von Diskriminierung und Gewalt ist. Diese „Zensur“ wurde von einigen kritisch betrachtet, da hierdurch Information verlorengehe. Aus der Beratungsarbeit ist allerdings bekannt, dass der Hinweis auf einen Migrationshintergrund von Täter*innen dem Opfer v.a. dazu dient, sich von dem Geschehen zu distanzieren, also eine Verarbeitungsstrategie darstellt und eher nicht zur Aufklärung beiträgt. Auf diesen Zusammenhang machte Almut Dietrich aufmerksam, die seit vielen Jahren Opfer von sexueller und sexualisierter Gewalt berät.

Für alle, die es genauer wissen wollen, hier Links zu Hollaback-Seiten:
www.ihollaback.org
berlin.ihollaback.org
dresden.ihollaback.org
duesseldorf.ihollaback.org

Auch wir nehmen natürlich eure Geschichten per Mail oder Online-Formular an. Sie dienen uns zur Dokumentation und können zu weitergehenden Aktionen führen. Zusätzlich, und das gibts bei Hollaback nicht, sind wir für euch da, wenn ihr jemanden zum Reden braucht. Wenn ihr uns nicht montags zwischen 19 und 21 Uhr anrufen könnt, machen wir gerne einen Termin mit euch aus.

>> Kontakt

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