Stress statt Händchenhalten

Letztes Jahr hatten wir zur Teilnahme an einer Befragung aufgerufen: Die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) wollte sich ein Bild darüber machen, wie sehr Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in der EU von Gewalt und Diskriminierung betroffen sind. Kroatien, das der EU am 1. Juli dieses Jahres beitritt, war schon in die Umfrage mit einbezogen. Mehr als 93.000 Personen haben sich beteiligt. Die Ergebnisse wurden am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, in Den Haag vorgestellt. Es zeigt sich, dass Diskriminierung und Gewalt weiterhin vielerorts an der Tagesordnung sind, in den östlichen Ländern häufiger als im Westen, und dass Betroffene oft davon absehen, solche Vorfälle zu melden, weil sie sich davon wenig Erfolg versprechen.

Ein besonders erschreckendes Ergebnis: Etwa 30 % der Trans*-Menschen gaben an, im Jahr vor der Umfrage mehr als drei Mal Opfer von Gewalt oder Gewaltandrohung geworden zu sein.

Weitere Informationen auf der Seite Angst, Isolation und Diskriminierung bei LGBT-Personen in Europa weit verbreitet.

Homophobie als Abendunterhaltung?

David Berger weist in einem taz-Artikel darauf hin, dass Menschen mit homosexuellenfeindlichen Ansichten oft Gelegenheit haben, ihre Thesen in Fernseh-Talkshows zu vertreten. Das Beispiel Frankreich, wo Gewalt gegen Lesben und Schwule immer mehr zunimmt, vor Augen warnt er vor dem Einfluss solch starker Medienpräsenz auf das gesellschaftliche Klima:

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen den zunächst schlicht homophoben, dann aggressiv gewordenen Äußerungen der Gleichstellungsgegner und der enormen Zunahme auch körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle.