„Ich lass mich nicht beleidigen“. Ein paar Tipps

Im letzten Jahr haben uns mehrere Leute Ereignisse geschildert, die etwa nach diesem Muster abliefen:

Die Person (O) ist in der Öffentlichkeit unterwegs und wird von jemandem (T) als Lesbe / Schwuler beschimpft. O ärgert sich, möchte diese Aggression nicht einfach hinnehmen und ruft T etwas Empörtes zu. T äußert eine weitere Beleidigung. O versucht es jetzt vielleicht mit Sarkasmus oder einem Denkanstoß, der aber nicht als solcher ankommt, sondern von T als von O ausgehende Aggression gewertet wird. T stößt O. O stößt zurück. Es entwickelt sich ein Handgemenge. Irgendwann erscheint die Polizei. T behauptet, von O angegriffen worden zu sein und erstattet Anzeige. Ein Passant, der stehengeblieben war und die letzten Minuten der Auseinandersetzung mitbekommen hat, pflichtet sofort bei. Die Polizeibeamten sind unfreundlich O gegenüber. O fragt sich bestürzt, in welchen Film er*sie da geraten ist. Es dauert eine Weile, bis Kratzer und blaue Flecken abgeheilt sind; die seelische Verwundung, das Trauma von Angegriffenwerden und Schutzlosigkeit, macht sich aber noch viele Monate später bemerkbar.

So etwas möchte niemand erleben. Wie kann man sich also verhalten, wenn man in eine ähnliche Situation gerät?

Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren. Man hört die Beleidigung, aber sie trifft eine*n nicht.
Aus dieser Ruhe heraus fällt es leicht, Abstand zu wahren. Auf keinen Fall sollte man unbekannte Täter*innen duzen. Sonst denken Umstehende womöglich, es handele sich um einen privaten Streit. Ebensowenig sollte man die angreifende Person provozieren oder gar anfassen.
Es kann viel bringen, etwas Unerwartetes zu tun. Z.B. fragen „Was ist denn los?“ oder „Brauchen Sie Hilfe?“ Wenn die Situation bedrohlicher ist, kann man durch Rufen oder Singen auf sich aufmerksam machen bzw. Angreifende in die Flucht schlagen.
Oft sind andere Menschen in der Nähe. Man kann sie gezielt ansprechen und um Hilfe oder einen Anruf bei der Polizei bitten.

Noch ein paar Bemerkungen: Wenn Angreifende unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, sollte man sich auf nichts einlassen, sondern einfach gehen, vielleicht nach einem freundlichen Abschiedsgruß.

Zufällige Beobachter*innen legen oft unbewusste Schablonen an. Wenn sie einen Mann und eine Frau miteinander kämpfen sehen, nehmen sie an, dass der Mann die Frau geschlagen hat und diese sich wehrt. So könnten sie es dann auch der Polizei schildern, ohne daran zu denken, dass sie den Anfang der Auseinandersetzung gar nicht mitbekommen haben (als vielleicht etwas ganz anderes passiert ist).

Um den nötigen Abstand zur Situation zu bekommen, kann man die Phantasie zu Hilfe nehmen, sich z.B. die angreifende Person in einem Schweinchen-Kostüm vorstellen oder die Beleidigung als ekligen Schwamm visualisieren, den man zugeworfen bekommt, aber nicht auffangen wird.

Und egal, was schon passiert ist: jederzeit gibt es Möglichkeiten, aus der Eskalations-Spirale auszusteigen – und es lohnt sich immer.

Quellen:
http://www.reden-statt-gewalt.de/
http://www.friedenspaedagogik.de/themen/handeln_in_gewalt_und_gefahrensituationen/
http://www.neu.bbswhs.de/pdfs/konfliktmanagement/Leitfaden_Deeskalation.pdf

Antigewalt-Berichte des SÜT Köln

Veranstaltung zu Besorgten Eltern und Co.

Am 14. April gibt es eine interessante Veranstaltung im NS-Dokumentationszentrum. Hier die Ankündigung des Rubicon, das sie in Kooperation mit der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus organisiert:

Am 14. April um 19.30 Uhr findet im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, Köln eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Gegen Sexualaufklärung und Gender Mainstreaming? Diskussion über konservative und rechtspopulistische Kampagnen gegen vielfältige Lebensweisen und Feminismus“ statt.

Seit einiger Zeit mobilisieren verschiedene Initiativen gegen Sexualaufklärung, Bildungspläne, Feminismus, vielfältige Lebensweisen und Gender-Mainstreaming.

„Frühsexualisierung“, „ideologische Umerziehung“ oder „Genderismus“ sind Kampfbegriffe dieser neuen Bewegung. Gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung von Gender-Mainstreaming und einer Sexual- und Antidiskriminierungspädagogik, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt thematisieren und sichtbar machen will.

Sowohl inhaltlich als auch personell gibt es Verbindungen und Überschneidungen zur extremen Rechten, aber auch zu christlich-fundamentalistischen Gruppen sowie zur „Alternative für Deutschland“ (AfD). Nach zwei Demonstrationen der „Besorgten Eltern“ im vergangenen Jahr wurde für 2015 eine weitere in Köln angekündigt.

Im Rahmen der Veranstaltung geht es um eine differenzierte Einschätzung dieser Gruppierungen. Wie ausgeprägt ist deren Nähe zur extremen Rechten? Welche Auswirkungen haben die Kampagnen auf die öffentliche Diskussion?

Vertreter_innen und Aktivist_innen aus der Bildungs- und Beratungsarbeit berichten über ihre Erfahrungen und diskutieren anschließend mit dem Publikum sinnvolle Handlungsmöglichkeiten.

Eine Veranstaltung des Rubicon e.V. in Zusammenarbeit mit der Info-und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dokumentationszentrum.

Wer sich schon mal aufs Thema einstimmen will, ohne die gute Laune zu verlieren: Der LSVD Köln hat letztes Jahr einen Videoclip mit dem Titel Wird man ja wohl noch sagen dürfen…?! erstellt. Gerne teilen ;-)