Hilfe für LGBTIQ-Flüchtlinge in Köln und anderswo

Wer sich für die neu gegründete Initiative interessiert, die LGBTIQ-Flüchtlingen in Köln und Umgebung das Leben leichter machen will, kann sich hier informieren:

Facebook-Seite https://www.facebook.com/LGBTIQ-Refugees-Cologne-1654888444787574

Wiki https://www.lgbtiq-refugees.de/

Das nächste Treffen ist am Donnerstag, den 18. Februar, um 19 Uhr im Offenen Treff der Alten Feuerwache (Melchiorstr. 3, Nähe Ebertplatz).

Der LSVD veröffentlicht auf www.queer-refugees.de in mehreren Sprachen Informationen, Adressen, Hilfestellungen für geflüchtete Lesben, Schwule, Bi, Trans*. Sehr nützlich auch für Haupt- und Ehrenamtliche, die nicht so drin sind im Thema. Also gerne weitergeben an alle, die mit Flüchtlingen zu tun haben!

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Wenige Frauen

Auch 2015 meldeten sich nur wenige Frauen beim SÜT Köln. Mit einer von ihnen gab es jedoch relativ viele Gespräche, siehe Der Jahresbericht… (Fortsetzung).

SÜT bedeutet ausgeschrieben Schwules Überfalltelefon Köln. Dieser noch aus der Ursprungszeit stammende Name scheint Frauen auszuschließen. Ich glaube, es gibt noch einen weiteren Grund: Frauen haben seit den 1970er Jahren vielfältige Unterstützungsangebote für Frauen geschaffen, z.B. die traditionell ehrenamtlich betriebenen Notruf-Telefone. Es existieren sogar spezielle Angebote für Lesben, z.B. die Lesbenberatung innerhalb der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. Frauen, die Beratung suchen, haben also gewissermaßen mehr Auswahl. Da ist es vielleicht gar nicht erstaunlich, dass sie nur 10 bis 20 % der beim SÜT Hilfe Suchenden bilden.

Seit einigen Jahren gibt es ein bundesweites Hilfetelefon für Frauen. Es ist rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres erreichbar. Den Mitarbeiterinnnen steht eine umfangreiche Datenbank mit weiteren Unterstützungsangeboten sowie ein umfassender Dolmetsch-Service zur Verfügung. Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind bzw. Hilfe brauchen, können dort übrigens auch anrufen. Die kostenlose Telefonnummer ist 08000 116 016.

Falls es nicht klar geworden sein sollte: Frauen sind willkommen beim SÜT und werden kompetent beraten. Derzeit sitzt sowieso meist eine Frau am Telefon (Barbara).  

Wie schützt man sich gegen Gewalt im öffentlichen Raum?

Henriette Reker, die Oberbürgermeisterin von Köln, wurde auf der Pressekonferenz nach den Silvester-Vorkommnissen am Kölner Hauptbahnhof von einer Journalistin gefragt, was Frauen denn tun könnten, um sich in vergleichbaren Situationen zu schützen. Sie zitierte ein paar Tipps, die auf den Seiten der Stadt Köln zur Verfügung gestellt werden sollen, und anschließend vom Noch-Polizeipräsidenten Albers bestätigt und ergänzt wurden.

Im Karneval eine Armlänge Abstand halten – das könnte schwierig werden und ist meist ja auch gar nicht Zweck der Veranstaltung. Auch in der Situation am Hauptbahnhof war dieser Tipp wortwörtlich genommen wohl nicht umsetzbar.

Ohne „Längenangabe“ ist er mir jedoch durchaus aus Empfehlungen von Polizei und Präventionsprojekten bekannt. Ebenso die Empfehlung, in Gruppen zusammen zu bleiben und aufeinander zu achten.

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken zu wissen, wie man in einer großen Menschenmenge, in der fortlaufend Straftaten begangen werden, sich und andere am besten schützt. Da gibt es wohl auch keine allgemeingültigen konkreten Verhaltensempfehlungen. Es kommt in einer solchen wie auch in anderen gefährlichen Situationen sehr auf die Intuition an: Was nehme ich wahr, was spüre ich (z.B. Fluchtimpuls ernst nehmen), wo ist Hilfe, wer kann mir zur Seite stehen, wie komme ich hier raus etc.

Einige allgemeine Ratschläge sind jedoch durchaus angebracht. Sie sind als Vorschläge, nicht „Verhaltensregeln“ zu verstehen. Letztendlich kommt es sowieso immer auf die jeweilige Situation an. Hier beispielhaft eine Handreichung der Berliner Polizei:

Zusammengefasst:

  • Vertrauen Sie Ihrem Gefühl
  • Weichen Sie der Gefahr frühzeitig aus
  • Tun Sie etwas Unerwartetes
  • Setzen Sie Grenzen
  • Wecken Sie Aufmerksamkeit
  • Entziehen Sie sich der Situation und dem Täter
  • Helfen Sie, ohne sich selbst oder andere zu gefährden.
  • Greifen Sie den Täter nicht körperlich oder verbal an.
  • Halten Sie Abstand.

Der Jahresbericht… (Fortsetzung)

Bei nur zwanzig gemeldeten Fällen in einem Jahr kann natürlich die Frage aufkommen: Was machen die eigentlich in all der Zeit, in der sich niemand meldet?

Erst mal muss man sagen, dass wir in der Woche zwar mehrmals die Mails abfragen, aber nur zwei Stunden am Telefon sitzen. So viel Zeit ist es also nicht. Seit Falk im Mai vorläufig aufgehört hat, ist in der Regel nur noch eine Person da, meistens ich, manchmal Stephan.

2014 entwickelte sich ein guter Kontakt zu einer Transfrau in der rheinlandpfälzischen Provinz. Für sie ist es eine Erleichterung, hin und wieder aus ihrem oft schwierigen Alltag zu berichten, und wir freuen uns zu hören, wie es ihr trotz allem immer ein bisschen besser geht. Immer wieder kommt sie auch auf unangenehme Begegnungen zu sprechen, aber ich zähle diese Meldungen nicht einzeln mit.

Die Antigewalt-Arbeit für LGBTIQ genießt in NRW einen hohen Stellenwert, für ihre Koordination gibt es eine bezahlte Stelle. Verschiedene Projekte sind durch das Antigewalt-Netzwerk miteinander verbunden, neben den SÜTs in Köln und Düsseldorf z.B. mehrere AIDS-Hilfen und Beratungseinrichtungen. In diesem Rahmen besuche ich immer wieder interessante Veranstaltungen: fachlicher Austausch, Fortbildungen, Netzwerktreffen. Im November 2015 saß ich außerdem in Münster auf einem Podium der Gaycom zum Thema Zusammenarbeit mit der Polizei.

Auch für Recherche und Schreiben dieses Blogs geht Zeit drauf. Wir bemühen uns, ein bis zwei Beiträge im Monat zu posten. Meistens klappt es. Dass Falk nicht mehr mitschreibt, finde ich sehr schade. Ich könnte mir gut vorstellen, Gastbeiträge aufzunehmen, und freue mich über Vorschläge, sowohl was Autor*innen als auch Themen betrifft.

Ein weiterer Punkt ist Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Jahr habe ich ein Radio-Interview gegeben und war, wie jedes Jahr, während des Cologne Pride an zwei Tagen am LSVD-Stand.

All das und noch viel mehr können die SÜT-Mitarbeitenden jedoch auch tun, wenn sie mehr Meldungen zu Gewalt und diskriminierendem Verhalten gegen Lesben, Schwule, Trans*, Inter*, queeren Leuten erhalten und mehr Beratungsgespräche führen. Ich nehme mir die Zeit einfach und freue mich über Leute, die mich in Zukunft dabei unterstützen.

Der Jahresbericht…

für das Jahr 2015 ist noch nicht fertig. Ich wurde heute aber schon danach gefragt und habe die entsprechenden Informationen weitergegeben. Deswegen verliere ich jetzt auch hier ein paar Worte zu unserer Arbeit im letzten Jahr:

Uns wurden 20 Fälle von homo-/transphober Gewalt gemeldet. Ein großer Teil davon spielte sich im Wohnumfeld der Opfer ab, in sechs Fällen von beleidigendem und diskriminierendem Verhalten bis hin zur Verhinderung der Nutzung des angemieteten Wohnraums waren Männerpaare betroffen. In zwei Fällen berichteten einzelne Männer von schwulenfeindlichen Anfeindungen durch Nachbarn, in einem weiteren der Bewohner eines Wohnheims von Drohungen, teils mit gezücker Waffe, und Schlägen.

Im Laufe der Beratungen von Opfern mit Zuwanderungsgeschichte wurde mir bewusst, dass diese in der hiesigen Beratungslandschaft benachteiligt sind. Die Hilfestrukturen gehen manchmal an ihren Bedürfnissen vorbei und Problemlagen von Minderheiten innerhalb von Minderheiten sind oft einfach nicht genügend bekannt. Im Ergebnis wenden sie sich an mehr Stellen als Einheimische, bis sie zu einem für sie befriedigenden Beratungsergebnis gelangen. Je mehr Menschen mit multikulturellen Erfahrungen beraten, sich untereinander austauschen und Angebote entwickeln, desto besser wird es wohl werden. Das immer vielfältigere Netzwerk der LGBTIQ-Antigewalt-Arbeit in NRW ist ein gutes Beispiel dafür. Und das SÜT braucht ohnehin neue Gesichter, derzeit sitze ich eigentlich alleine am Telefon. Also traut euch, nehmt Kontakt auf! Sprachkenntnisse neben Deutsch z.B. in Türkisch, Arabisch oder Farsi sind auf jeden Fall von Vorteil.

In unseren Jahresberichten haben wir immer statistische Angaben zu Geschlecht, Alter, Tatort etc. gemacht. Bei der Vielzahl der von uns erfassten Daten-Dimensionen ist das manchmal mit einigem Aufwand verbunden. Wenn man sich dann die Fallzahlen ansieht, fragt man sich, ob es die Mühe überhaupt lohnt – als wirklich repräsentativ können unsere Zahlen nicht gesehen werden, sie werfen nur das ein oder andere Schlaglicht in ein großes Dunkelfeld. Der Koordinator der landesweiten Antigewalt-Arbeit liefert später im Jahr eine viel umfassendere Statistik. Diese bezieht sich auf ganz NRW, aber auch unsere Zahlen spiegeln nicht nur die Lage in Köln, denn immer mehr Menschen stoßen im Internet auf uns und melden sich aus allen Ecken Deutschlands. Also werde ich es dieses Jahr vielleicht einmal mit einer anderen Art von Bericht versuchen. Wer Zahlen möchte, kann sich jederzeit bei uns melden.

Das SÜT entstand als Hilfeeinrichtung für Opfer von homo- und transphoben Überfällen. Solche werden uns jedoch immer seltener gemeldet. Als schwach besetztes Ehrenamt-Projekt sind wir derzeit auch gar nicht in der Lage, echte Opferhilfe zu leisten. Zum Glück gibt es inzwischen Institutionen, die diese Aufgabe auch für Opfer homo- und transphober Gewalt kompetent leisten. In NRW sind das insbesondere die Opferberatung Rheinland https://www.opferberatung-rheinland.de/ und Back Up für Westfalen-Lippe http://www.backup-nrw.org/.
Vom Weißen Ring https://www.weisser-ring.de/internet/opferhilfe/ ist möglicherweise in Zukunft mehr die Rede. Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag.

Noch etwas, was vielleicht manche interessiert: Über von Geflüchteten ausgehende Gewalt ist uns nichts bekannt geworden. Ein schwuler Iraker, dem es in der ihm zugewiesenen Unterkunft nicht gut ging, hat sich bei uns gemeldet. Mehr weiß ich jedoch nicht, weil ich ihn wegen mangelnder Sprachkenntnisse (er wollte auf Arabisch beraten werden) an Rubicon bzw. baraka verwiesen habe. Wer LGBTIQ-Refugees helfen will: Nächsten Donnerstag findet ein weiteres Vernetzungstreffen im Offenen Bereich der Alten Feuerwache statt (14. Januar, 19 Uhr, Melchiorstr. 3).

Das wärs erst mal… Zu sagen gibts noch mehr, also freut euch auf den (hoffentlich) bald erscheinenden Antigewalt-Bericht 2015 des SÜT Köln.