Der Jahresbericht… (Fortsetzung)

Bei nur zwanzig gemeldeten Fällen in einem Jahr kann natürlich die Frage aufkommen: Was machen die eigentlich in all der Zeit, in der sich niemand meldet?

Erst mal muss man sagen, dass wir in der Woche zwar mehrmals die Mails abfragen, aber nur zwei Stunden am Telefon sitzen. So viel Zeit ist es also nicht. Seit Falk im Mai vorläufig aufgehört hat, ist in der Regel nur noch eine Person da, meistens ich, manchmal Stephan.

2014 entwickelte sich ein guter Kontakt zu einer Transfrau in der rheinlandpfälzischen Provinz. Für sie ist es eine Erleichterung, hin und wieder aus ihrem oft schwierigen Alltag zu berichten, und wir freuen uns zu hören, wie es ihr trotz allem immer ein bisschen besser geht. Immer wieder kommt sie auch auf unangenehme Begegnungen zu sprechen, aber ich zähle diese Meldungen nicht einzeln mit.

Die Antigewalt-Arbeit für LGBTIQ genießt in NRW einen hohen Stellenwert, für ihre Koordination gibt es eine bezahlte Stelle. Verschiedene Projekte sind durch das Antigewalt-Netzwerk miteinander verbunden, neben den SÜTs in Köln und Düsseldorf z.B. mehrere AIDS-Hilfen und Beratungseinrichtungen. In diesem Rahmen besuche ich immer wieder interessante Veranstaltungen: fachlicher Austausch, Fortbildungen, Netzwerktreffen. Im November 2015 saß ich außerdem in Münster auf einem Podium der Gaycom zum Thema Zusammenarbeit mit der Polizei.

Auch für Recherche und Schreiben dieses Blogs geht Zeit drauf. Wir bemühen uns, ein bis zwei Beiträge im Monat zu posten. Meistens klappt es. Dass Falk nicht mehr mitschreibt, finde ich sehr schade. Ich könnte mir gut vorstellen, Gastbeiträge aufzunehmen, und freue mich über Vorschläge, sowohl was Autor*innen als auch Themen betrifft.

Ein weiterer Punkt ist Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Jahr habe ich ein Radio-Interview gegeben und war, wie jedes Jahr, während des Cologne Pride an zwei Tagen am LSVD-Stand.

All das und noch viel mehr können die SÜT-Mitarbeitenden jedoch auch tun, wenn sie mehr Meldungen zu Gewalt und diskriminierendem Verhalten gegen Lesben, Schwule, Trans*, Inter*, queeren Leuten erhalten und mehr Beratungsgespräche führen. Ich nehme mir die Zeit einfach und freue mich über Leute, die mich in Zukunft dabei unterstützen.

Mitmachen?

Hast du schon mal überlegt, bei einem Antigewalt-Projekt mitzumachen?

Das SÜT Köln berät, dokumentiert, tritt öffentlich gegen homo-/transphobe Gewalt und für vielfältige Lebensweisen auf, lernt immer wieder dazu, vernetzt sich mit spannenden Leuten und Projekten…

Irgendwo in diesem Tätigkeitsspektrum wartet vielleicht eine tolle Aufgabe auf dich.
Wenn du dir das vorstellen kannst, nimm einfach Kontakt zu uns auf.

Vielleicht sprichst du neben Deutsch eine oder mehrere weitere Sprachen fließend?

Das ist natürlich keine Bedingung. In der Beratungsarbeit ist es auf jeden Fall von Vorteil. Insbesondere Türkisch ist sehr gefragt.

Es gibt jedoch auch viele andere Möglichkeiten, bei uns aktiv zu werden, schau mal auf Mitmachen beim SÜT.

Wir freuen uns auf dich!

Mitmachen beim SÜT

Der Schwerpunkt des SÜT Köln ist die Beratung von Menschen, die Gewalt oder Diskriminierung erfahren haben. Meistens weil jemand was gegen deren Homo- oder Transsexualität hatte. Aber es gibt auch andere Fälle, z.B. Probleme mit der (Ex-)Partner*in.

Daneben betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen ja auch aufklären und auf Gefahrenlagen und bestehende Ungerechtigkeiten hinweisen.

Auch Vernetzung ist sehr wichtig. Das SÜT ist eine kleine Einrichtung, aber mit einem speziellen Profil (Antigewalt-Arbeit im LGBTI-Bereich). Zusammen mit anderen können wir viel bewegen.

Wir sind immer interessiert an Leuten, die

  • gerne ehrenamtlich mit anderen arbeiten
  • Verantwortung übernehmen und bereit zur Reflexion sind
  • gut mit anderen Menschen sprechen können
  • gern schreiben oder telefonieren
  • grafisch was drauf haben
  • sich in sozialen Netzwerken auskennen
  • viele engagierte Leute kennen bzw. kennen lernen möchten
  • denen es Spaß macht, neue Konzepte entwickeln

Wenn mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen und du Lust hast, dich ein paar Stunden in der Woche oder im Monat für LGBTI einzusetzen, dann schreib uns eine Mail an beratung@koeln19228.de. Wir melden uns dann bei dir und sagen jetzt schon danke!

Ich will’s wissen

Neben dem SÜT gibt es in Köln vielfältige weitere Beratungsangebote. Zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen könnt ihr euch vertrauensvoll an diese wenden. Sie sind teils in der LGBTI-Community „beheimatet“ und helfen mit professionellem Rat und manchmal auch eigenen Erfahrungen.
Hier ein paar Adressen und Telefonnummern (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Antidiskriminierungsbüro Köln
Schwerpunkt Mehrfachdiskriminierung
oegg.de
Tel.: 0221 – 96 47 63 00
Email: info[at]oegg.de

Aidshilfe Köln
Schwerpunkt sexuell übertragbare Infektionen
aidshilfe-koeln.de
Tel.: 0221 – 19 411
Email: Beratung[at]Aidshilfe-Koeln.de

Notruf und Beratung für Frauen
Schwerpunkt sexualisierte Gewalt gegen Frauen
notruf-koeln.de
Tel.: 0221 – 56 20 35
Email: mailbox[at]notruf-koeln.de

RUBICON
Beratungszentrum für LGBTIQ
rubicon-koeln.de
Tel.: 0221 – 19 446

Weitere Adressen findet ihr in dieser Auflistung.

Gewalt in Russland

„Seit dort [Russland] ein Gesetz in Kraft getreten ist, das schon Berichte über Homosexualität unter Strafe stellt, ist die Zahl gewaltsamer Übergriffe drastisch gestiegen.“
Quelle: http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/homophobie-in-russland-gewalt-gegen-homosexuelle-nimmt-drastisch-zu-311d4-51ca-90-1592220.html

Das von Putin unterschriebene Gesetz gegen sogenannte „homosexuelle Propaganda“ führt zu mehr Gewalt gegenüber Nicht-Heterosexuellen. Das haben viele befürchtet und deswegen gegen das Gesetz protestiert. Der Protest reißt nicht ab! Am 31.8. demonstrierten ca. 5 000 Menschen (Berliner Tagesspiegel) in Berlin friedlich gegen das Gesetz. Sie fordern, was unsere Regierung versäumt: Die Abschaffung von diesem Gesetz!

Am 8.9. wurde zu einem weltweiten Kiss-In aufgerufen. Um 15:00 Uhr versammelten sich gleichgeschlechtliche Paare und Freunde vor russischen Botschaften, um sich zu küssen. Da die Regierung unter Putin das Zeigen von Liebe und Zuneigung als Propaganda versteht, muss diese Aktion als eindeutiger Protest gegen das homophobe Gesetz gesehen werden.

Kiss-Ins können zu jeder Zeit wiederholt werden. Postet eure schönsten Kussbilder und fordert von Merkel, Westerwelle & Co, dass sie Putin an die Menschenrechte erinnern!
Wir können etwas tun, um unseren russischen Mitmenschen zu zeigen, dass wir sie nicht alleine lassen!

The Trevor Project

Heute möchten wir auf eine sehr aktive Initiative aus West Hollywood (USA) aufmerksam machen.
Das „Trevor Project“ will ganz eindeutig zum Ausdruck bringen, dass Lesben, Schwule, Trans*, Bis und Queers völlig normal sind. Jeder muss ihnen so begegnen, wie man möchte, dass einem selbst begegnet wird.
Das Projekt richtet sich insbesondere an Jugendliche, die sich fragen, auf welches Geschlecht, oder worauf generell sie stehen. Und auch an Jugendliche, die aufgrund ihrer Liebesgefühle gegenüber Gleichgeschlechtlichen, von Mitschüler/innen, Familienmitgliedern, etc. angegriffen werden. Helfen und Stärken sind die hauptsächlichen Ziele von dieser Initiative.

Im Rahmen des Projekts haben sogar Prominente ihre positive Einstellung zu LGBTQ veröffentlicht!
Zum Beispiel:
Katy Perry
Neil Patrick Harris (How I met your mother)
Daniel Radcliff (Harry Potter)
Chris Colfer (Glee)
Und viele andere.