Auf Abruf

Derzeit tut sich nicht viel beim SÜT. Ich habe mit meinen Kolleg*innen vom Ortsvorstand Köln darüber gesprochen und wir haben uns überlegt, keine feste Präsenzzeit mehr anzubieten. Wenn ihr mit dem SÜT sprechen wollt, schreibt am besten erst eine Mail (an beratung @ koeln19228.de), gerne schon mit einem Terminvorschlag. Ihr könnt auch das Formular auf der Seite Kontakt benutzen.

Oder ihr ruft an (0221 19228) und sprecht auf den Anrufbeantworter. Ich melde mich schnellstmöglich zurück.

Übrigens könnt ihr euch beim LSVD auch zu vielen anderen Themen beraten lassen, z.B. Transsexuellengesetz und Arbeitsrecht. Schickt einfach eine Mail an koeln @ lsvd.de. Da wir ehrenamtlich arbeiten, kann es einige Tage dauern, bis sich jemand meldet, aber wir nehmen uns auf jeden Fall Zeit für euch.

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Wenige Frauen

Auch 2015 meldeten sich nur wenige Frauen beim SÜT Köln. Mit einer von ihnen gab es jedoch relativ viele Gespräche, siehe Der Jahresbericht… (Fortsetzung).

SÜT bedeutet ausgeschrieben Schwules Überfalltelefon Köln. Dieser noch aus der Ursprungszeit stammende Name scheint Frauen auszuschließen. Ich glaube, es gibt noch einen weiteren Grund: Frauen haben seit den 1970er Jahren vielfältige Unterstützungsangebote für Frauen geschaffen, z.B. die traditionell ehrenamtlich betriebenen Notruf-Telefone. Es existieren sogar spezielle Angebote für Lesben, z.B. die Lesbenberatung innerhalb der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. Frauen, die Beratung suchen, haben also gewissermaßen mehr Auswahl. Da ist es vielleicht gar nicht erstaunlich, dass sie nur 10 bis 20 % der beim SÜT Hilfe Suchenden bilden.

Seit einigen Jahren gibt es ein bundesweites Hilfetelefon für Frauen. Es ist rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres erreichbar. Den Mitarbeiterinnnen steht eine umfangreiche Datenbank mit weiteren Unterstützungsangeboten sowie ein umfassender Dolmetsch-Service zur Verfügung. Männer, die Opfer von Gewalt geworden sind bzw. Hilfe brauchen, können dort übrigens auch anrufen. Die kostenlose Telefonnummer ist 08000 116 016.

Falls es nicht klar geworden sein sollte: Frauen sind willkommen beim SÜT und werden kompetent beraten. Derzeit sitzt sowieso meist eine Frau am Telefon (Barbara).  

Der Jahresbericht…

für das Jahr 2015 ist noch nicht fertig. Ich wurde heute aber schon danach gefragt und habe die entsprechenden Informationen weitergegeben. Deswegen verliere ich jetzt auch hier ein paar Worte zu unserer Arbeit im letzten Jahr:

Uns wurden 20 Fälle von homo-/transphober Gewalt gemeldet. Ein großer Teil davon spielte sich im Wohnumfeld der Opfer ab, in sechs Fällen von beleidigendem und diskriminierendem Verhalten bis hin zur Verhinderung der Nutzung des angemieteten Wohnraums waren Männerpaare betroffen. In zwei Fällen berichteten einzelne Männer von schwulenfeindlichen Anfeindungen durch Nachbarn, in einem weiteren der Bewohner eines Wohnheims von Drohungen, teils mit gezücker Waffe, und Schlägen.

Im Laufe der Beratungen von Opfern mit Zuwanderungsgeschichte wurde mir bewusst, dass diese in der hiesigen Beratungslandschaft benachteiligt sind. Die Hilfestrukturen gehen manchmal an ihren Bedürfnissen vorbei und Problemlagen von Minderheiten innerhalb von Minderheiten sind oft einfach nicht genügend bekannt. Im Ergebnis wenden sie sich an mehr Stellen als Einheimische, bis sie zu einem für sie befriedigenden Beratungsergebnis gelangen. Je mehr Menschen mit multikulturellen Erfahrungen beraten, sich untereinander austauschen und Angebote entwickeln, desto besser wird es wohl werden. Das immer vielfältigere Netzwerk der LGBTIQ-Antigewalt-Arbeit in NRW ist ein gutes Beispiel dafür. Und das SÜT braucht ohnehin neue Gesichter, derzeit sitze ich eigentlich alleine am Telefon. Also traut euch, nehmt Kontakt auf! Sprachkenntnisse neben Deutsch z.B. in Türkisch, Arabisch oder Farsi sind auf jeden Fall von Vorteil.

In unseren Jahresberichten haben wir immer statistische Angaben zu Geschlecht, Alter, Tatort etc. gemacht. Bei der Vielzahl der von uns erfassten Daten-Dimensionen ist das manchmal mit einigem Aufwand verbunden. Wenn man sich dann die Fallzahlen ansieht, fragt man sich, ob es die Mühe überhaupt lohnt – als wirklich repräsentativ können unsere Zahlen nicht gesehen werden, sie werfen nur das ein oder andere Schlaglicht in ein großes Dunkelfeld. Der Koordinator der landesweiten Antigewalt-Arbeit liefert später im Jahr eine viel umfassendere Statistik. Diese bezieht sich auf ganz NRW, aber auch unsere Zahlen spiegeln nicht nur die Lage in Köln, denn immer mehr Menschen stoßen im Internet auf uns und melden sich aus allen Ecken Deutschlands. Also werde ich es dieses Jahr vielleicht einmal mit einer anderen Art von Bericht versuchen. Wer Zahlen möchte, kann sich jederzeit bei uns melden.

Das SÜT entstand als Hilfeeinrichtung für Opfer von homo- und transphoben Überfällen. Solche werden uns jedoch immer seltener gemeldet. Als schwach besetztes Ehrenamt-Projekt sind wir derzeit auch gar nicht in der Lage, echte Opferhilfe zu leisten. Zum Glück gibt es inzwischen Institutionen, die diese Aufgabe auch für Opfer homo- und transphober Gewalt kompetent leisten. In NRW sind das insbesondere die Opferberatung Rheinland https://www.opferberatung-rheinland.de/ und Back Up für Westfalen-Lippe http://www.backup-nrw.org/.
Vom Weißen Ring https://www.weisser-ring.de/internet/opferhilfe/ ist möglicherweise in Zukunft mehr die Rede. Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag.

Noch etwas, was vielleicht manche interessiert: Über von Geflüchteten ausgehende Gewalt ist uns nichts bekannt geworden. Ein schwuler Iraker, dem es in der ihm zugewiesenen Unterkunft nicht gut ging, hat sich bei uns gemeldet. Mehr weiß ich jedoch nicht, weil ich ihn wegen mangelnder Sprachkenntnisse (er wollte auf Arabisch beraten werden) an Rubicon bzw. baraka verwiesen habe. Wer LGBTIQ-Refugees helfen will: Nächsten Donnerstag findet ein weiteres Vernetzungstreffen im Offenen Bereich der Alten Feuerwache statt (14. Januar, 19 Uhr, Melchiorstr. 3).

Das wärs erst mal… Zu sagen gibts noch mehr, also freut euch auf den (hoffentlich) bald erscheinenden Antigewalt-Bericht 2015 des SÜT Köln.

Nützliche Adressen

Neben dem SÜT gibt es viele weitere Beratungsangebote und Projekte für ein Leben ohne Gewalt und Diskriminierung.

Wichtige Anlaufstellen in Köln:

Aidshilfe Köln
Schwerpunkt sexuell übertragbare Infektionen
www.aidshilfe-koeln.de
Tel.: 0221 – 20 20 30
Email: info[at]aidshilfe-koeln.de

Antidiskriminierungsbüro Köln
Schwerpunkt Mehrfachdiskriminierung
www.oegg.de
Tel.: 0221 – 96 47 63 00
Email: info[at]oegg.de

anyway
Jugendzentrum für Lesben, Schwule, Trans* und Freund*innen in Köln
www.anyway-koeln.de
Schwul-lesbisches Jugendzentrum in Köln
Tel.: 0221 – 57 777-60
Email: info[at]anyway-koeln.de

baraka
Treffpunkt für LGBTIQ aus aller Welt (Freitag Abend im Rubicon)
www.baraka-online.info
Email: info[at]baraka-online.info

LSVD Köln
Kölner Ortsverband des Lesben- und Schwulenverband in Deutschland
www.koeln.lsvd.de
Email: koeln[at]lsvd.de

Notruf und Beratung für Frauen
Schwerpunkt Sexualisierte Gewalt gegen Frauen
www.notruf-koeln.de
Tel.: 0221 – 56 20 35
Email: mailbox[at]notruf-koeln.de

RUBICON
Beratungszentrum für LGBTIQ (Lesben, Schwule, Bi, Trans*, Inter*, Queer)
www.rubicon-koeln.de
Tel.: 0221 – 27 66 999-0
Email: info[at]rubicon-koeln.de

TX Köln
Selbsthilfegruppe für Trans*
www.txkoeln.de
Email: hallo2015[at]txkoeln.de

auf Landesebene (Nordrhein-Westfalen):

Frauenberatungsstelle Düsseldorf
Vielfältiges Beratungsangebot für Frauen, spezielles Angebot für Lesben
www.frauenberatungsstelle.de
Tel.: 0211 – 68 68 54
Email: info[at]frauenberatungsstelle.de

Landeskoordination der Antigewalt-Arbeit für Lesben und Schwule in NRW
www.vielfalt-statt-gewalt.de
Tel.: 0221 – 27 66 999-55
Email: aleksej.urev[at]rubicon-koeln.de

schLAu NRW
Netzwerk der schwul-lesbisch-bi-trans* Aufklärungsprojekte in NRW
www.schlau-nrw.de
Tel.: 0221 – 257 28 49
Email: info[at]schlau-nrw.de

Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie
Antidiskriminierungsprojekt für Schulen
www.schule-der-vielfalt.de
Email: kontakt[at]schule-der-vielfalt.de

bundesweit:

Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Beratung und Informationen zum Allgemeinen Gleichstellungsgesetz („Antidiskriminierungsgesetz“)
www.antidiskriminierungsstelle.de
Tel.: 030 – 18 555-1855
Email: poststelle[at]adsbund.de

LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland)
Interessenvertretung für LGBTIQ (Lesben, Schwule, Bi, Trans*, Inter*, Queer)
www.lsvd.de
Tel.: 0221 – 925961-0
Email: lsvd[at]lsvd.de

Weißer Ring
Interessenvertretung von Kriminalitätsopfern
www.weisser-ring.de
Tel.: 06131 – 83 03-0
Email: info[at]weisser-ring.de

Häusliche Gewalt

Eine Studentin der Polizeihochschule in Kassel schreibt eine Bachelor-Arbeit zum Thema Häusliche Gewalt in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Sie hat dazu einen Fragebogen entwickelt, der noch bis zum 16.8. ausgefüllt werden kann. Diesen Link gerne weitergeben!

https://www.soscisurvey.de/HomosexuelleHaeuslGewalt/

Wenn ihr Hilfe braucht, weil es in eurer Beziehung (oder nach dem Ende der Beziehung) zu Gewalt kam, zögert nicht, euch Hilfe zu holen! Das gilt nicht nur, wenn ihr Opfer geworden seid, sondern auch, wenn ihr selbst Gewalt ausgeübt habt. Außer dem SÜT ist das Rubicon sehr empfehlenswert. Telefonische Beratungszeiten sind montags bis donnerstags zwischen 14 und 16 Uhr, die Nummer ist 0221-19446. Ihr könnt euch über eine verschlüsselte Verbindung auch erst mal online beraten lassen.

Wie ihr Kontakt mit dem SÜT aufnehmt, steht auf der Seite Kontakt.

Bundesweiter Notruf für Frauen

Seit Anfang März ist der bundesweite Notruf für Frauen geschaltet. Frauen, die Gewalt erfahren haben oder sich aus schwierigen Situationen lösen wollen, können hier rund um die Uhr anrufen und sich beraten lassen. Die Frauen an den Telefonen sind erfahren in Beratungsarbeit und werden fortlaufend geschult. Die kostenlose Telefonnummer ist 08000 116 016. Mehr Informationen unter www.hilfetelefon.de.

Im Werbematerial für den Notruf tauchen Lesben oder Transfrauen nicht auf. Broken Rainbow, ein bundesweiter Verband von lesbischen, lesbisch-schwulen und transidenten Anti-Gewalt-Initiativen, gehört jedoch zu den Kooperationspartner*innen..